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Sie ist jung, blond und die Enkelin eines Großnazis,undsievermutet, dass es auch mit diesem Vermarktungspotential zu tun hat,dasssiefür ihr erstes Buch einen beachtlichen Vorschuss erhalten hat. Abervorallemschreibt sie über Sex, und das so drastisch, offen und intelligent,dassmansich beim Lesen fühlt, als stehe man nackt vorm Spiegel.# B! P3 C7 F$ D$ c
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„Es ist fast unmöglich, einen Porno anzusehen und davon nicht erregtzuwerden“,heißt es da zum Beispiel. Oder: „Meine Brüste sind klein. Alsichein Teenagerwar, führte ich alle sexuellen Zurückweisungen auf meinenMangelan Oberweitezurück. Ich züchtete ein entzückendes Trauma, und esfällt mirschwer, michdaran zu erinnern, wann ich es ablegte. Ich weiß nur,dass ichirgendwann damitanfing, mich oben ohne zu sonnen, dass Männer,meine Brüstein ihren Händenwiegend, ihre Schönheit und Eigentümlichkeitpriesen, dassZungen meine Nippelfreisprachen von allem Verdacht.“ Etwasspäter steht da:„Durch die Erotikkönnen wir Teil an etwas nehmen, das Batailleals Kontinuitätdes Seins beschreibt,etwas, das nicht religiös, aber göttlichist. Fickenals Gebet.“ & j6 ?$ v+ Q( Q& l 7 S3 y' e0 z0 x6 DSie formuliert schnell und analytisch präzise! e1 g8 A8 [8 s8 N) X( p% ^! I
5 C0 ] z {* Y) J- K3 ^# i% h/ c Ariadne von Schirach sitzt in einer Eckkneipe in Berlin-Mitte undbestelltsicheinen Kaffee. Sie sieht jünger aus, als sie mit ihren 28 Jahrenist,ihrenGroßvater, den Kriegsverbrecher, hat sie nie kennengelernt. DieblondiertenHaaresind brav zurückgebunden, weiße Bluse, weiße Weste, Turnschuhe,eindezentes,aber genaues Make-up. # L! v3 Y ?* o/ T9 n8 _ $ w- v' b$ _) h1 W1 @ Sie ist auf unscheinbare Weise hübsch. Nur ihre Art zu reden fälltsoaufwie die tomatenroten Fingernägel. Sie formuliert schnell, originellundanalytischpräzise, man hört, dass sie Philosophie studiert hat. Dabeigehtes erstaunlichwenig um Sex. Die Autorin sagt: „Mein Hauptthema ist:Washeißt es, jetzt geradeam Leben zu sein? Wie gehen wir miteinander um?“! Y% b+ n+ r: F
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Das ganze Sinnen und Sein gilt der ewigen Balz ! h. ?! ~! q$ K) v: N; l6 \ ; Z" A0 h& z5 U2 o$ D$ {6 u In ihrem Buch „Der Tanz um die Lust“, das nächste Woche erscheint(GoldmannVerlag,14,95 Euro), stilisiert Ariadne von Schirach Sex und Liebezum Dreh-und Angelpunkteiner ganzen Generation. Dabei hält die geborene Münchnerinnichtsvon demüblich gewordenen Generationengeschwätz. „Ich denke, dasses nur zweiArtenvon Leuten zwischen fünfundzwanzig und fünfundvierzig gibt.Solche, dieausgehen,und solche, die nicht ausgehen. Solche, die trinken,feiern, Drogennehmen,und solche, die es nicht tun“, schreibt sie.1 M0 x' {) y8 D' m; n' k0 N
7 q) K" n9 j" E Q) `" L* v Sie selbst gehört - natürlich - zur ersten Gruppe und - natürlich-spieltihr Buch in Berlin-Mitte, denn wo sonst können sich aufgebrezelte,szenebewussteBerufsjugendlicheso hartnäckig die Nächte um die Ohren schlagen,ohne jemit der Realität inKonflikt zu geraten. Nie kämpft „König Gunter“mit Müdigkeit.Nie muss „SusiPop“einen Zwölfstundentag durchstehen oderdie Ich-Erzählerinaus Geldnot auf ihrenfünften Wodka verzichten. Das ganzeSinnen und Seinder Protagonisten, dieaus dem privaten Umfeld der Autorindestilliert sind,gilt der ewigen Balz.2 T8 \" X7 {5 O
7 Q$ }; `" s; m4 j/ q' X$ L* dAnsprüche an Partner steigen ins Unermessliche ( ~( g& D1 L& p2 _/ S, }+ S * F; H* O5 j/ \$ h7 R Das liest sich, als sei man in eine deutsche Version von „Sex andtheCity“geraten und kann ähnlich vergnüglich sein. Mitunter nervt es auch.Relevanzgewinntdiese Jagd nach Erfüllung, weil sie eingebettet ist in grundsätzlicheBeobachtungenüberdas grassierende Unvermögen, Beziehungen einzugehen. DieFiktion dientnurdazu, ein essayistisches Feuerwerk zu erden. 1 c' n6 G. Z9 h8 D/ ?: _+ W* e ) }% x7 g1 I* w- B( l Von Schirachs provokanteste These: Wir leben in einer Welt, die immerpornographischerwird,und das nicht nur, weil der Konsum von Pornos zunehmendweniger tabuisiertist.„Übergeil“ nennt sie die nackten Körper auf den Reklametafeln,die unsüberallund ständig verleiten, uns selbst auf sexy zu trimmen, währenddieAnsprüchean potentielle Partner ins Unermessliche steigen.$ A% L! b, }( c( _; e
$ U, e% G' w! E/ Z9 i( N0 d0 M% g„Realität, die einem die Luft abschnürt“9 [" n; w* b: ?7 B$ m7 h
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„Woher kommen denn die Bilder?“, fragt Ariadne von Schirach und argumentiert:„DiePornoindustrieist die größte Sichtbarkeitsmaschinerie, wenn es um Sexgeht.Da ist eine ganzeigene Bildwelt geschaffen worden, um das Problemzu lösen,wie man Lust sichtbarmacht.“ Hippe Outfits. Lässige Looks undPosen. VerführerischeBewegungen -für die Autorin entstammt diese ganzeIkonographie dem Porno.! Y1 {4 @) ]$ m9 S
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Selbst „guter Sex“, wie Frauenzeitschriften ihn beschwören, habe mitseinerDramaturgieaus Anfang, Höhepunkt und Ende einschlägige Vorbilder.Das erzeugeDruck, dieeigene Sexualität in ein Raster zu pressen. Ariadnevon Schirachsagt: „Manchemögen Pornos, ich kann damit nicht viel anfangen.Das ist Geschmackssache.Aberdie Menschenbilder im Porno sind schlecht.Und dieses Menschenbild gehtum,es mäandert und wird stärker. Da wird eineRealität erzeugt, die einemdieLuft abschnürt.“ - K" ^- S4 [; L% T" }. M( R( h6 v, V: w/ e& y; g6 ?* W
Schluss mit dem „Optimierungswahn“" r* k' U) j% [2 F# p
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Diesen „Objektivierungsstrategien“, wie von Schirach gern sagt, setztsiedasPrinzip der Subjektivierung gegenüber. Damit meint sie eine Formder Sexualität,diesie Erotik nennt: „das, wo wir anfangen“. Persönlich,einzigartig, selbstbestimmtundfrei von dem Zwang, Normen zu entsprechen.So flirten sich SusiPop undCo.von einem One-Night-Stand zur nächsten Affäre,sind dabei aber nur mäßigglücklich. 5 f0 O" d; g" f9 y8 U% M2 D: w- m# c. u
Von Schirach hält eine altmodische Form der Erlösung parat. „Die LiebeisteinAusblick, weil sie eine der letzten Verheißungen ist. Und Liebe hatetwasmitEntscheidungen zu tun.“ Schluss mit dem „Optimierungswahn“ nachdem Prinzip„eskönnte ja jemand Besseres warten“ oder „es gibt noch anderehübsche Söhne“!/ {* w0 i, H% r, u/ J% k, \; W
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„Frauen suchen aus. Immer“, ]* G. P" A. }4 ]: A5 J
" d, j' v1 }. c$ n q } Wer die spätadoleszente Welt der Ariadne von S. hinter sich gelassenhat,magDiagnose und Rezept belächeln, der Gattin Rosen kaufen, die Füßeabendsaufdie Couch legen und am nächsten Morgen ins Büro hasten. Wer sichaberhineindenkenmag in die schönen, selbstbewussten Prä-Dreißigerinnen,für dieEhrgeiz, Selbstverwirklichungund Vergnügen zusammengehören, diehinreißendsind, aber leider single, sollteaufmerken. ( J$ m- G5 V& J b' R) p 9 E; L* C1 F4 X2 e Warum ist es so schwer für die Töchter der Emanzipation, einen Partnerzufinden?Ariadne von Schirach sagt: „Frauen suchen aus. Immer. In der erstenSekunde.Dannaber wollen sich die Männer bemühen. Das ist der erste Fehlerder jungenFrauen.Auch von mir. Man regelt das selbst. Und was passiertmit dem Mann?Er wirdmitgenommen, er wird hinterher angerufen, er soll wiederkommen.Dasnimmt denMännern den Raum, ihre Identität zu inszenieren. Aber Verführungfindetnurstatt, wenn jeder seinen Platz hat.“ - m6 d; Z! e! M- H' y" R t. ^: Z$ p# B" P0 w3 H* X+ [& a
Ariadne von Schirach trinkt jetzt Grasovka mit naturtrübem Apfelsaft,einenLongdrink,der den Mädels in ihrem Buch - in entsprechender Menge -eine hysterische,zumMythos gerinnende Partynacht beschert. Dazu rauchtsie blaue Gauloises.IhreHände kritzeln den Kosmos ihrer Gedanken in dieLuft. % m, r# X8 I# o' _+ {5 I! [4 m3 }# m9 l1 `) T% v0 v
„Mir ist eher das Erotische wichtig“ * X% n: y& x3 r; `. p# i( e; K6 }/ X3 i# |2 J
Wie fühlt es sich an, ein Buch zu veröffentlichen, durch das die FamilievomeigenenLife Changing Sex erfährt? „Das war für mich überhaupt kein Problem.MeinVaterhat das ganze Buch gelesen und korrigiert. Ich würde davon sichernichterzählen.Aber aufschreiben ist etwas anderes.“ i: z- K/ B4 M$ j' G9 t1 y$ E8 I
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Sind Sie in einer festen Beziehung? „Es gibt da jemanden, sagen wir mal so.“3 r9 `) p6 B) U% Y& S
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Wer ist „Mulan“, dem Sie Ihr Buch gewidmet haben? „Das ist ein Geheimnis.“ . K. a% X. C" x. u1 O3 ?" ]5 F- r2 p+ I! O: @* S4 W
Warum? „Einfach so. Ich liebe das Geheimnis. Außerdem gibt es eine Grenze, wenn man ein so privates Buch geschrieben hat.“ # n/ b3 Q% Z9 \$ O' v, S0 |) ?. j" M# }
Wie wichtig ist Sex in Ihrem Leben? „Ach, der hat irgendwie den gutenPlatz,derihm zusteht. Aber mir sind viele Dinge wichtig. Ich bin nichtso die klassischeJägerin.Mir ist eher das Erotische wichtig, ein verführerischesVerhältniszur Welt.Ganz persönlich bin ich der Meinung, dass Sex immensbesser wird,wenn derAkt etwas bedeutet, wenn Liebe dazukommt.“) I. u1 {7 W1 d8 y7 a
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Und woher nehmen Sie in Ihrem Alter die Dreistigkeit, einer beziehungsverwirrtenGesellschafteinenRatgeber zu schreiben? „Das war immer mein Legitimationsproblem“,antwortetAriadnevon Schirach. Sie setzt nach: „Und es ist eher eine Analyse.“ 3 p8 a1 l7 H9 b$ K% B! y; r; |' ^# h 1 K! U. L; O! [Selbstironie zählt zu ihren Stärken& ?2 T4 |' `! n; Y' ^% d
% z/ \( t, Z9 ]! { |* t* V Das genau ist ihr Motor. Sie ergötzt sich an Begriffen und liebt es,derWeltStrukturen abzulesen. Man kann sich vorstellen, wie Ariadne vonSchirachinderselben Eckkneipe mit Freunden sitzt oder morgens um fünf ineiner coolenBaram Tresen hängt und redet, redet, redet., _6 M( V7 @ K+ `9 I# [2 g$ D
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„Ich lese so viel. Mein Weltzugang ist das Wort, in allen Formen.Lesen,Denken,Theoretisieren. Schlimm! Eine Plage! Mit zu viel Alkohol!“ Selbstironiezähltzuihren Stärken. Drei Bücher die Woche, seit Jahren schon. Sie verehrtSimonedeBeauvoir, Walter Benjamin, Foucault, Houellebecq. Aber sie verschlingtauchKrimisund Fantasy: „Das ist mein Fernseher, das, was mich runterbringt.“' @$ V2 a2 v& k4 D% g' W& [7 ~
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„Ein Buch, in dem zehn Bücher drin sind“ 8 t r0 Q* U! `% d 0 O6 F; J1 G& }5 { Im Herbst 2005 veröffentlichte Ariadne von Schirach einen Artikelim„Spiegel“,der für Furore sorgte, Literaturagenten neugierig machte undihrso den Vertragfür ihr Debüt verschaffte. Der Artikel konzentrierte sichaufdas Dilemmades weiblichen Begehrens in einer pornographischen Gesellschaft,undbis derText gedruckt wurde, so die Autorin selbst, „habe ich das ungefährachtmalumgeschrieben“. ( A2 Z0 O1 {4 A- ]5 ~8 K' `# e. w Y# u, i" [8 V* L4 @+ L# g3 l
Über ihr neues Werk sagt sie: „Es ist ein Buch, in dem zehn Bücherdrinsind.“Sie greift einen Strauß an Debatten auf: vom Wir-wollen-nicht-erwachsen-werdenübersOnline-Datinghin zur Technisierung des Alltags und Geschlechterfragen.IhrArtikel von einstist überzeugender, weil er stringenter ist. AriadnevonSchirach lächelt unbeeindruckt.Das Interview ist vorbei, sie hat einendoppeltenWodka bestellt. Ihr Buchsei eben „total barock“, sagt sie fröhlich.„Es istein wesentlich authentischeresAbbild davon, wie mein Hirn funktioniert.“Dasist der persönlichste Satz desAbends.0 k; W$ A1 B8 m* [- Q# W
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[ 本帖最后由 日月光 于 2007-3-1 11:51 编辑 ]
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